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In meiner beruflichen Laufbahn war ich für eine Vielzahl namhafter Unternehmen unterschiedlichster Größe unter anderem als CTO und Product-Owner tätig. In dieser Zeit hat sich ein Sachverhalt wiederholt abgezeichnet – Prozesse sind, selbst für Startups die sich im aktiven Wandel zu einem mittelständischen Unternehmen befinden, ein oftmals sehr sensibles Thema – ja vielleicht sogar schon ein rotes Tuch. Jedoch sind gerade e-Commerce Startups durch den geringen Innovationsgrad z.B. auf einen reibungslosen Betrieb, zeitgemäße Präsentation (UX/UI) und kontinuierlichen Ausbau & Optimierung der Onlineplattform angewiesen um sich von Mitbewerbern abzusetzen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Prozesse können nur dann in notwendigem Umfang von der IT gestützt werden, wenn diese auch definiert sind.

Identität & Leitidee

Es ist unfraglich eine große Herausforderung, den Sprung von der Idee über den Aufbau eines Startups hin zur Transformation in ein gesundes, sich selbst tragendes Unternehmen zu bewältigen. Während man in der Anfangszeit noch durch minimale und mitunter kurzfristige Richtungsänderungen großen Impact erzielen konnte, machen sich diese bei einer Unternehmensgröße jenseits der 20 Mitarbeiter durch fehlende Prozesse oder unzureichende Planung schnell negativ bemerkbar. Die damit verbundenen Reibungsverluste sowie der kommunikative Overhead konsumieren letztlich die Zeit, die besser in eigentliche Aufgabe investiert würde. Das kann schnell zu einer Abwärtsspirale führen, die in Kontrollverlust oder dem wahrscheinlich gut bekannten blindem Aktionismus enden könnte. Sicherlich lässt sich so etwas eine Zeit lang mit erhöhtem Ressourceneinsatz abfedern, aber zu welchem Preis? Gut, wenn man einen oder mehrere große Investoren im Rücken hat, doch was passiert, wenn diese ihre Rückendeckung entziehen? Die Realität offenbart in diesen Situationen, dass es für den ein oder anderen Gründer vielleicht ein Leichtes war die Unternehmung zu gründen und wachsen zu lassen, es aber nun ganz andere Fähigkeiten benötigt, strategisches Wachstum sicherzustellen. Die Erkenntnis, dass definitiv nicht jeder Gründer zwingend dazu in der Lage ist, folgt meist auf dem Fuße. Ohne eine Identität & Leitidee und weiteren Zutaten, die am Ende des Tages die Unternehmensstrategie ergeben, ist es schwer die Mitarbeiter auf die gemeinsame Zukunft einzuschwören, so dass diese auch in der Lage sind, ein Höchstmaß an Output erreichen zu können.

Organisation & Prozesse

Unternehmen, die sich durch gute Organisation und abgestimmte Prozesse einen zeitlichen Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern verschaffen können, sichern sich so einen der wenigen Vorteile, der ohne hohe Investitionen erreicht werden kann, und werden möglicherweise zusätzlich durch Einsparungen belohnt. Es ist vielleicht der entscheidende Vorteil gegenüber Konzernen, das Startups gerade in den ersten Jahren nach Gründung noch so flexibel agieren können. Bei der schleichenden Transformation ist dementsprechend besondere Aufmerksamkeit auf die Wahrung der Flexibilität zu legen und dabei die Kernprozesse zu extrahieren und zu etablieren, die Stabilität sicherstellen sowie weiteres gesundes Wachstum ermöglichen. Wachstum und eine steigende Mitarbeiterzahl bedeutet eine unweigerliche Erfordernis, Wiederkehrendes in Prozesse zu überführen, um eines Tages nicht im Chaos zu enden. Die Augen davor zu verschließen bedeutet eines Tages dafür bestraft zu werden.

Kommunikation & Unternehmenskultur

Wenn man sich die Historie eines beliebigen Startups als Beispiel nimmt und sich dadurch bewusst macht, dass auch in den frühen Zeiten schon Prozesse existierten, diese aber primär implizit vorhanden waren und durch die Menschen, die das Unternehmen leben ausgemacht wurden, kann man daraus einiges ableiten. Dass was in kleinen Teams so gut funktioniert und bei größeren zwangsläufig schwieriger wird, ist allem voran die Kommunikation. Wenn man grundsätzliche Schwierigkeiten wie räumliche Distanz, Zeit und Kommunikationsmedien mal ausblendet, bleiben einige sehr entscheidende Merkmale übrig, dass sich bei der Transformation einschleichen können – plötzlich fehlende, als mangelhaft wahrgenommene oder aber vielmals einseitige Kommunikation (Top-Down statt Bottom-Up). Gerade in kleinen Teams ist die schnelle, unkomplizierte und flache Kommunikation in alle Richtungen an der Tagesordnung und macht einen entscheidenden Vorteil aus. Ich kenne dieses Phänomen beispielsweise aus einigen Hackathons.

Hackathon: Ziel eines Hackathons ist das Erschaffen eines MVP in einem fremden Team-Setup (bestehend aus unterschiedlichen Disziplinen) in kurzer Zeit (meist 24 – 48 Stunden) das durch eine Jury final bewertet wird.

Daraus könnte man ableiten, dass neben dem Überführen von stets wiederkehrenden Schritten in fest definierte und fortlaufend optimierte Businessprozesse, das Etablieren sowie Sicherstellen einer guten Kommunikationskultur unabdingbar ist. Wichtig ist die Kommunikation in alle Richtungen, sodass Ideen, Feedback oder aber konstruktive Kritik auch bei zunehmender Unternehmensgröße zu einer möglichen Kurskorrektur und einem ggf. daraus resultierenden Wettbewerbsvorteil führen können. Doch um einen Kurs zu korrigieren, muss man diesen auch kennen und im besten Fall geht dieser aus der Unternehmensstrategie hervor.

Strategie & Planung

Strategische Planung ermöglicht einem Unternehmen mit allen vorhandenen Ressourcen einen gemeinsamen Kurs zu verfolgen. Doch um das zu erzielen, reicht es nicht aus eine Strategie zu haben, sie sollte auch entsprechend kommuniziert werden und Strategie sollte kein Geheimnis seinIdeenklau – es kommt ja gerade auf die Umsetzung an. Wer die zuvor genannten Punkte berücksichtigt, kann schließlich auch darauf vertrauen, dass man erfolgreich sein wird. Bei Internetunternehmen ist vor allem die Organisationseinheit IT das zentrale und bedingt durch die Gehaltsstrukturen ein sehr kostenintensives Instrument, dass nur dann seine Performance ausspielen kann, wenn es entsprechend gut orchestriert wird und einen entsprechenden Stellenwert in der Organisationsmatrix einnimmt. Wie wichtig Strategie & Planung sind, wird spätestens dann ersichtlich, wenn Themen gestützt oder gar in vollem Umfang durch die IT umgesetzt werden. Selbst der Einsatz agiler Methoden, modernsten Werkzeugen und entsprechenden Ressourcen, schützen nicht vor den negativen Auswirkungen operativer Planungsfehler – von den taktischen und strategischen mal ganz abgesehen. Zusätzlich besteht die Gefahr, bei Verweigerung eine negative Kettenreaktion auszulösen (siehe dazu auch Die sechs häufigsten Planungsfehler und was Sie dagegen tun können). So kommt man zu der Folgerung, dass es trotz vorbildlicher Produktentwicklung nach MVP-Ansatz (Lean Product Management) und Iterative Entwicklung (Scrum Sprints), einer wohldurchdachten Strategie (Strategie – operativ, taktisch, strategisch) bedarf, um ein funktionierendes, sowie stabiles Produkt zu formen, dass im Ergebnis einen Mehrwert für das Unternehmen & die Kunden schafft und dem Unternehmen somit hilft, auf eigenen Beinen zu stehen und dabei gesund zu wachsen.

Fazit

Wer sich mit seinem Startup in einem hart umkämpften Markt behaupten, beispielsweise Ziele wie die Marktführerschaft erreichen und parallel die Transformation zu einem mittelständischen Unternehmen meistern möchte, sollte den folgenden Säulen somit besondere Aufmerksamkeit widmen:

  • Identität & Leitidee
  • Organisation & Prozesse
  • Kommunikation & Unternehmenskultur
  • Strategie & Planung

Die Identität eines Unternehmens kann einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Mitbewerbern darstellen. Wer sich im Klaren darüber ist, wer man ist und wofür man steht, der ist in der Lage dieses in alle Bereiche zu übertragen und fortwährend zu kommunizieren und so zu einer Leitidee zu formen. In einigen Fällen lässt sich diese auch in die Strategie integrieren oder diese dadurch sogar maßgeblich definieren – wie es z.B. im Falle der Customer Centric Strategy ist.

Eine gute Organisation beginnt im Top-Management und zieht sich durch alle Ebenen im Unternehmen. Sie ist elementarer Bestandteil um die entscheidenden Prozesse zu ermitteln und zu definieren. Es sollte ein klares Verständnis der Organisationsmatrix existieren, diesen allen Mitarbeitern bekannt und zusätzlich gut dokumentiert sein (internes Wissensmanagement). Organisationseinheiten und Verantwortlichkeiten sollten den Anforderungen aus den Kernprozessen entstammen und nicht umgekehrt – wenn man versucht das Ganze andersherum zu gestalten und das Tagegeschäft in starre vordefinierte Muster zu pressen, wird das nur schwer funktionieren.

Die unkomplizierte Kommunikation in alle Richtungen sollte fester Teil der Unternehmenskultur sein. Fehlende, fehlerhafte oder einseitige Kommunikation kann fatale Folgen haben. Berücksichtigt man diese Säule, kann man ohne große Investition unglaubliches Potenzial entfalten und allen Mitarbeitern das Gefühl geben ein wichtiger Bestandteil des Unternehmens zu sein und entscheidend zum Erfolg beitragen zu können (Engagement als Erfolgsfaktor). So kann man ein wunderbares Klima und in Summe aller Teile eine wahrhaftig tolle Unternehmenskultur erreichen.

Eine gute Strategie ist unabdingbar, um auf lange Sicht erfolgreich zu sein. Wie soll man denn die Segel entsprechend setzen, um den gewünschten Kurs einzuschlagen, wenn man gar nicht weiß, wohin die Reise gehen soll? Ohne diese so wichtige Säule sind alle Versuche das Unternehmen in sicheres Fahrwasser zu navigieren, nur Glückstreffer und der nächste Sturm mag einen ganz böse überraschen. Es wird wahrscheinlich nicht zur Meuterei führen, doch sollte man sich stets bewusst sein, dass die Belegschaft die Wellen als Erstes spürt und in solchen Zeiten auf eine gute Führung angewiesen ist. Diese sollte in der Lage sein, dieses zu registrieren und Abhilfe zu schaffen. Das ist nur möglich, wenn man in durch neue Planungen die Strategie entsprechend zu korrigieren versteht und die richtigen Impulse geben kann und versteht die Mitarbeitet auf das neue Ziel einzustellen.

Welche Erfahrungen hast du gesammelt?

Vielleicht hast du auch ganz andere Eindrücke und Erfahrungen sammeln können – schließlich war es auch nicht in allen Unternehmen in denen ich tätig war immer gleich. Mich würde der Austausch sehr interessieren – schreibe mir doch einen Kommentar mit deinem Eindruck …

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Prozesse, Prozesse, Prozesse
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Dieser Artikel beleuchtet die alltäglichen Schwierigkeiten bei der Transformation eines Startups in ein gesundes, sich selbst tragendes mittelständisches Unternehmen. Wenn auf einmal alles in geregelten Bahnen laufen muss um Traktion mit einem größeren Ressourcenpool zu erzeugen und man sich im Chaos wiederfindet. Was ist wichtig? Auf welchen Säulen basiert eine gesunde Transformation? Welche Werte sind wichtig? und wie stellt man sicher, dass das leichtfüßige und ein schönes Miteinander erhalten bleibt? Dieser Artikel vermittelt einen fundierten Einblick in das Startup-Leben und zeigt auf, was man gerade bei schnellem Wachstum nicht vergessen darf.
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